Hamburg, 07.02.2009: 7.24,44 min. Eine Zahl, die den Eingeweihten tiefe Anerkennung abringt. Diese Siebenvierundzwanzig ist nicht nur eine fantastische Zeit für die Umrundung der Nürburgring-Nordschleife, sondern auch schneller als Ferrari Enzo (7.25,21 min) und Porsche Carrera GT (7.28,71 min).
Gefahren wurde diese Zeit aber von keinem Rennwagen, sondern einem Supersportwagen „von der Stange“. Natürlich ist es vermessen einen Pagani Zonda F als Massenprodukt abzustempeln, doch er ist wie seine Konkurrenten ein ganz normal TÜV-geprüfter und straßenzugelassener Sportwagen.
Gerade im Vergleich zur italienischen Konkurrenz aus Maranello zeigt der Pagani wozu eine kleine Manufaktur fähig ist. Keine F1-Ingenieurs-Manpower, kein Raumfahrt-Rechenleistung, sondern einfach ein von Grund auf sportlich gezeichnetes Chassis, gepaart mit konsequent durchdachten Details und italienischem Chic.
Der Zonda gilt nicht nur deshalb seit jeher als Ikone unter den Supersportlern. Kein Anderer kommt ihm in Anmut und Grazie gleich, kein anderer zeigt im Innenraum abgesteppten Wildlederfußraum, kein anderer leistet sich verspielte Luftausströmer oder ein Glaspanoramadach. Nur der Pagani – und dennoch ist er der Schnellste.
Warum? Wie kann ein solch kleiner Betrieb den großen der Branche in die Suppe spucken? Einfach zu beantworten ist diese Frage nicht. Vielleicht liegt es an der Konstanz von Firmengründer Horacio Pagani. Seit 1999 baut er seinen Zonda und von Serie C, über S zu F wurde sein Meisterwerk immer ein Stück besser, ein bisschen vollkommener.
Das F steht übrigens für Fangio, denn der in Italien lebende Argentinier Pagani war ein Freund des legendären F1-Weltmeister Juan-Manuel Fangio. Pagani wollte, dass sein Zonda das Initial seines Freundes erst in seiner letzten Ausbaustufe trägt, erst dann – so ist es überliefert – war er es wert an die vollkommenen Fahrkünste seines verstorbenen Freundes zu erinnern.
Was macht den F so Vollkommen? Sein appetitlich angerichteter 7.3-Liter-AMG-V12 mit 650PS und 780Nm ist sicher ein Prachtstück für sich, doch im Zonda ist er nur Teil eines Ganzen. Erst im Zusammenspiel mit der piekfein verarbeiteten Sichtcarbon-Karosserie, dem Pushrod-Fahrwerk und den Keramikbremsen kann der Pagani zum „F“angio werden.
Eigentlich könnte man das Kapitel an dieser Stelle schließen, denn schließlich sind die 25 gebauten Zonda F in Windeseile verkauft gewesen. Der Stückpreis von knapp 600.000 EUR hat die Kunden nicht wirklich gestört.
Doch nun gibt es doch noch ein paar neue Seiten im Zonda-Kapitel: den neuen R. Auf Wunsch eines amerikanischen Sammlers und einige Stammkunden aus Japan entschloss sich der Perfektionist aus Argentinien zu einer letzten Ausbaustufe. Nicht für die Straße soll er gedacht sein (obowhl er eine Zulassung dafür besitzt), sondern nur für den Clubsport auf der Rennstrecke.
Von Außen wirkt der Neue kaum verändert, doch 90% der Komponenten sind neu. Länger, breiter und flacher als jeder andere Zonda kauert der R auf dem Asphalt. 47mm mehr Radstand und 50mm mehr Spurweite sollen dem Handling abermals zu Gute kommen, aber die großen Änderungen hält der Antriebsstrang bereit. Ein 6-Gang-Renngetriebe kümmert sich sequenziell um den nächsten Übersetzungswunsch und den 7.3-Liter-V12 hat AMG aufs Altenteil geschoben. Stattdessen erwacht im Zonda R ein Juwel des Motorenbaus zu neuem Leben.
Mercedes liefert den Italienern den 6-Liter V12 aus dem CLK-GTR. Das schärfste Aggregat, das je die Stuttgarter Werkstore verlassen hat – wenn das mal keine Honoration der Leistung der Pagani-Truppe ist. Der alte Rennmotor zeigt sich im R von seiner besten Seite: 750 PS erzeugt er bei 8000 Umdrehungen und auch die 710 Nm lassen sich sehen. In 2.7 Sekunden springt der R mit seiner guten Tonne Leergewicht auf Tempo 100 – Gefühl mit der gesinterten Mehrscheibenkupplung vorausgesetzt.
Auch optisch ist der Motor eine Augenweide. Luftsammler aus Carbon schmücken die Ansaugseite und der Auspuff besteht aus hydroflow-geformtem Inconel 625 und ist zur besseren Wärmeleitung keramisch beschichtet. Auch wer das alles nicht viel versteht, eines sollte jedem klar sein: besser kann man es nach heutigem Stand der Technik einfach nicht machen. Punkt.
Das der R serienmäßig auf geschmiedeten Magnesiumfelgen steht und sich diese dank eingebauter pneumatischer Hebeanlage auch ohne Hilfsmittel wechseln lassen zeugt ebenso von der radikalen Ausrichtung wie das Cockpit: Ein Drehzahlmesser der in mitten der Lenkradnabe sitzt und von 4000 bis 10000 Umdrehungen anzeigt ist selten – wenn der Rennwagen dazu noch Wildleder-Schalensitze besitzt umso seltener.
Zu kaufen gibt es den R ab 1.5 Millionen EUR, doch es gibt keinen Grund sich darüber zu beschweren, oder auf den Betrag zu sparen. Der Zonda R ist ausverkauft, denn eigentlich ist er nie „in den Verkauf“ gegangen. Fünfzehn Sammler haben den R bestellt und exakt 16 Autos wurden gebaut – denn ein Exemplar muss natürlich in die Pagani-eigene Sammlung.
An dieser Stelle wird das Kapitel Zonda wohl endgültig beendet sein. Welche Zeit er auf der Nordschleife fahren wird bleibt zwar abzuwarten, doch es gibt keinen Zweifel, dass der 1070kg-Rennwagen eine Zeit nah an der magischen 7-Minuten Marke (auf Straßenreifen) in den Eifelasphalt brennen wird. Es wäre ein gelungenes Ende für den vielleicht gelungensten Supersportler unserer Zeit.Text: Fabian Mechtel (asphaltfrage.de)
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