Hamburg, 09.12.2008: Normalerweise tummeln sich bei Rallye-Sektionen ausschließlich Allrad-Spezialisten vom Schlage eines Subaru Impreza WRX STi, Mitsubischi Lancer Evo oder extrem umgebaute Peugeot 308 und Ford Focus. Aus fürchterlich aufgeblasenen Zweiliter-Turbomotoren holen die Hersteller 350 PS und mehr heraus. Schotter wird aufgewühlt, Steine fliegen und das Fahrwerk wird vor fast unlösbare Probleme gestellt. Für Reiter Engeneering - einen Lamborghini-Rennstall mit GT1- und GT3-Wagen - sind das alles keine Gründe, nicht auch einmal mit einem 410 PS starken V10-Boliden durchs Gemüse zu donnern. In nur einer Woche wurde der Lamborgini Gallardo GT3 aus den ADAC GT Masters zum rallyetauglichen Einsatzwagen umgebaut.
Im Vergleich zur Rundstreckenkonfiguration erhielt der Gallardo einen kleineren Heckflügel, einen kürzeren Frontsplitter, Dämpfer für mehr Federweg und eine Handbremse. Vor allem letztere Forderung stellte Reiter Engineering Mitarbeiter Andreas Wetzelsperger, auf dessen Idee dieses Projekt zurück geht. Wetzelsperger ist bei Reiter für die KTM GT4 Betreuung zuständig und war bis vor einigen Jahren selbst auf Rallyepfaden, unter anderem als Toyota Werksfahrer, unterwegs.
Zusammen mit Co-Pilot Christian Schön steuerte Wetzelsperger auch den auf 410 PS gedrosselten Lamborghini Gallardo GT3 als Vorausfahrzeug bei der 3-Stadte Rallye, einem Lauf zum ADAC Rallye Masters. Obwohl offiziell keine Zeiten der Vorausfahrzeuge veröffentlicht werden, war Reiter Engineering mit dem ersten Rallyeeinsatz mehr als zufrieden. „Wir hatten technisch keinerlei Probleme, was uns schon etwas überrascht hat, da die Belastungen insbesondere für das Fahrwerk doch ungleich höher sind als auf der Rundstrecke“, zog Hans Reiter sein Fazit.
Und das sagt der ADAC zum Rallye-Einsatz des exklusiven Boliden: Anhänger der Rundstrecke müssen in Zukunft damit fertig werden, dass ihnen Lamborghini nicht mehr allein gehört. Was viele nur für einen Scherz und einen PRGag gehalten haben, wird Wirklichkeit: Der Gallardo soll nach GT-Reglement langfristig der Porsche-Fraktion im Rallye-Sport Konkurrenz machen. Bei der ADAC 3-Städte-Rallye am vergangenen Wochenende ließ der Bolide von Reiter Engineering schnell die Kritiker verstummen. Als Vorausfahrzeug eingesetzt fuhr das Duo Andi Wetzelsperger/Christian Schön stets unter die Top 5, auf der WP Haarbach brannte es sogar die Bestzeit in den Asphalt – das ergab die Datenauswertung.
„Unsere Erwartungen wurden mehr als nur übertroffen“, freut sich Hans Reiter, Firmenchef von Reiter Engineering, über das Pilot-Projekt bei der „3-Städte“. Das Rundstrecken-Team verfügte bis zum Start im Bäderdreieck über keinerlei Erfahrung im Quertreibersport. „Auch der Entwicklungsaufwand mit einer Woche Vorlaufzeit war sehr gering“, fügt Reiter hinzu. Die Firma aus Kirchanschöring vertraute rein auf die Erfahrungswerte ihres Projektleiters Andi Wetzelsperger. Der Toyota-Werksfahrer von 1991/92 sagte, wo es lang geht: Handbremse einbauen, Gänge kürzer übersetzen, Bodenfreiheit erhöhen und Heckspoiler sowie Frontsplit verkleinern. Und der 45-Jährige behielt Recht: Trotz im übertragenen Sinne mit angezogener Handbremse, um den Gallardo zu schonen, fuhr Wetzelsperger mit Co Christian Schön in allen zehn Wertungsprüfungen unter die Top 5. In WP 3 gelang dem Duo sogar die Bestzeit.
Kein Wunder, wenn man im ersten Gang auf bis zu 110 Stundenkilometer beschleunigen kann. Aber der brachiale Hecktriebler war selbst für Wetzelsperger anfangs eine harte Nuss. „Mangels Erfahrung ließ ich es etwas ruhiger angehen. Aber das Fahrzeug hat mehr als funktioniert, so dass man sagen kann: Der Porsche von Anton Werner ist zu schlagen“, so Wetzelsperger Fazit. Sein Chef Reiter geht noch weiter: „Wir werden jetzt noch die Daten der Inboard-Kamera auswerten. Aber wir sind sehr zuversichtlich. Kommt es zur Nachfrage nach einem Rallye-Gallardo, können wir innerhalb eines Monats ein absolut siegfähiges Fahrzeug präsentieren“, ist sich Reiter sicher.
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