Driven: Renault Laguna Coupé



Hamburg: 26.01.2009: Ist es gut, wenn ein Auto in sich stimmig ist? Wenn alles zusammen passt und nichts das Gesamtbild stört? Ja und nein! Renault hat beim neuen Laguna Coupé alles richtig gemacht und sich aus meiner Sicht doch einige grobe Schnitzer geleistet. Um zu verstehen was ich meine, muss man wissen, dass die Franzosen für ihr 4,64 Meter langes Coupé als Zielgruppe den „erfolgreichen Geschäftsmann oder Freiberufler ab 50“ sowie die „beruflich erfolgreiche Geschäftsfrau ab 40“ im Visier hat. Die Kundschaft kauft Design- und Technik-orientiert, erfreut sich möglicherweise am Coupé-Heck, das so ungeniert an Aston Martin erinnert oder ist begeistert von der einzigartigen Allradlenkung.

Mit Sicherheit finden die Damen und Herren der Zielgruppe auch Gefallen an der seidig weich schaltenden Sechsgang-Automatik, die bei den V6-Aggregaten (3,0-Liter-Diesel mit 235 PS, 3,5-Liter-Benziner mit 238 PS) obligatorisch die Gangwechsel übernimmt. Es geht rauf bis Tempo 242 (Diesel) beziehungsweise 245 (Benziner), und zu keinem Zeitpunkt werden die Insassen von Motor- oder Windgeräuschen gestört. Selbst das Fahrwerk fügt sich harmonisch ins Gesamtbild ein, schluckt alle Unebenheiten, erntet sicherlich ein Grinsen oder einen hochgestreckten Daumen vom Fahrer. Schlaglöcher verlieren ihren Schrecken und Rückenschäden werden durch die fabelhaften, weichen Sitze zusätzlich vermieden. Ebenfalls zielgruppengerecht: die serienmäßige Einparkhilfe hinten sowie die beim Rückwärtsfahren nach unten schwenkenden Außenspiegel. Und trotzdem …

Wer es auf dem Weg zum Golfplatz mal etwas zügiger angehen lassen will, die 235-Diesel-PS und 450 Newtonmeter etwas fordert, der wünscht sich schon bald nicht nur eine handgeschaltete Version. Zu weich, zu undynamisch geht die Automatik zu Werke, zu wenig PS treffen auf die 1,7 Tonnen Kampfgewicht. Auch die Rückmeldung am Lenkrad ist für meinen Geschmack zu weich. Und das Highlight des neuen Coupés – die Allradlenkung?, Die unterstützt den Fahrer bis Tempo 30 mit bis zu drei Grad mitlenkenden Hinterrädern, ab Tempo 60 sind es noch zwei Grad. Ich brauchte lange, bis ich mich an diese Technik gewöhnt habe. In der Stadt irritiert sie mich extrem. Vor allem in schnell gefahrenen Kurven hat mich die Allradlenkung aber überzeugt. Die in dieselbe Richtung einschlagenden Hinterräder helfen dem Wagen dann, weder zu über- noch zu untersteuern. Ein ums andere Mal werfe ich den Wagen schwungvoll in die Kurve und bin jedes Mal positiv überrascht. Bravo Renault.

Angekommen im Golfclub zeigt sicht dann, warum die Einparkhilfe serienmäßig ist. Ob beim Blick in den Innenspiegel oder bei gedrehtem Kopf: Die Rücksicht ist gleich null, das Einparken mit dem Lamborghini Gallardo ist nicht schwerer.

41.900 Euro rufen die Franzosen für die Dieselvariante des neuen Laguna Coupé auf, 39.000 Euro werden für den Benziner fällig. Beide V6-Coupés können ausschließlich in der Ausstattungslinie „GT“ geordert werden und kommen unter anderem mit Ledersitzen, 18-Zoll-Alus, Allradlenkung, Alu-Dekorleisten, Keyless-Go sowie Bi-Xenon-Scheinwerfern und Klimaautomatik.

Doch Toppausstattung hin oder her: Wer ein Coupé für über 40.000 Euro am Markt positionieren will, der muss sich mit den Platzhirschen Audi A5 (3.0 TDI quattro: 45.900 Euro), BMW Dreier (330i: 42.800 Euro) und Mercedes CLK (CLK 280: 43.286 Euro ) messen. Alle drei Deutschen liegen preislich nicht aus der Welt und können außerdem auch mit modernsten Zutaten oder Prestige punkten. Seien es die fabelhaften Register-Turbo-Aggregate von BMW, die Doppelkupplungsgetriebe von Audi oder die Kombination aus Stern und kräftigem CDI-Aggregat bei Mercedes – die Elite wird sich die Butter nicht so einfach vom Brot nehmen lassen. Hinzu kommt, dass die Kundschaft eines Dreier BWM oder Audi A5 ungleich breiter gestreut ist. Ob Jungspund oder Zahnarzt Mitte Fünfzig – in diesen Coupé fühlen sich beide wohl.

Fazit:
Das Renault Laguna Coupé wird seine Käufer finden. Allerdings wohl wirklich nur innerhalb der selbst auserkorenen Zielgruppe. Schade, denn in diesem Coupé steckt noch viel Potenzial. Aber darum müssen sich dann wohl die Tuner kümmern.

 

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