Driven: Porsche 911 Carrera Seite 2

G4 3.0i Evo III


Ich verabschiede mich und gehe zur zweiten Station des Porsche-911er-Workshops. Als nächstes wird das neue 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe in allen Einzelheiten erklärt. Zwei radial angeordnete Nasskupplungen, ein Getriebe für die geraden und eins für die ungeraden Gänge, ein Hochleistungsprozessor, der am Limit arbeitet und den nächsten "logischen" Gang berechnet. "Das PDK ist komfortabler als die bisherige Tiptronic S, gleichzeitig aber viel sportlicher", erklärt Getriebe-Mann Morbitzer. Und und und .... Wahnsinn. Mit schwirrendem Kopf gehe ich rüber zur Motorenabteilung, wo der "komplett neue Motor" steht. Benzindirekteinspritzung, geringere Bauhöhe, höhere PS-Ausbeute (Carrera: +20 PS, Carrera S: +45 PS), gesunkener Spritverbrauch, weniger Bauteile, Reduktion der trägen Masse, daher besseres Ansprechverhalten ... Wenn ich nicht bald fahren darf, flipp ich aus. Doch Geduld, morgen ist es soweit.

Nach einem schnellen Frühstück umkreise ich den neuen 911 Carrera. 289 km/h (PDK: 287) Sachen soll er mit seinen 345 PS schaffen und mit dem PDK in 4,7 Sekunden auf 100 ballern. Hallo, das ist mal eben 0,3 Sekunden schneller als der Vorgänger und immer noch einen Wimpernschlag schneller als der "alte" Carrera S (4,8 sek.). So kräftig die Unterschiede unterm Kleid, so dezent fallen die optischen Retuschen aus. Neue Hauptscheinwerfer, Tagfahrlicht, andere Außenspiegel, leicht veränderte Schürzen - fertig. Reicht ja auch.

Ich schwinge mich ins Cockpit und erwecke den 3,6-Liter-Boxer zum Leben. Gewohnt heiser hechelt er los und bewschwört mich, ihn doch endlich zu fordern. Das kann er haben. Zum Einfahren lassen wir den "Sport-Modus" ausgeschaltet und genießen das extrem seidig schaltende PDK. Nur wer auf den Drehzahlmesser und die digitale Ganganzeige schaut, bemerkt die Gangwechsel. Schon bei 70 wird in den Siebten - den Overdrive - geschaltet und ich gleite mit knapp 1500 Umdrehungen dahin. Leicht aufs Gas und ein niederturiges Bollern verwöhnt das Ohr.

Langsam nähere ich mich der Autobahn. Jetzt kommt der Sport-Taster zum Einsatz und Mr. Hyde darf sich zum ersten Mal zeigen. Schon in der Kurve der Auffahrt komme ich mir verteufelt schnell vor, die Augen bleiben aber auf die Straße gerichtet. Auf dem Beschleunigungsstreifen berühren sich Pedal und Bodenblech. Knack, knack, knack - die fast ruppigen Gangwechsel lösen wahre Glücksgefühle aus. Nein, hier wird nicht komfortabel geschaltet. Jetzt gibt's Fleisch für den Tiger. Ich quere die beiden rechten Spuren und kuschel ganz links ein wenig mit der Leitplanke. "Komisch, so ruhig liegt der Carrera jetzt auch wieder nicht." Da fällt mein Blick auf den Tacho. 265 steht da. In Addition mit dem schlechten Untergrund könnte das durchaus meinen Eindruck erklären. Angesichts des dichter werdenden Verkehrs will ich Porsche die 285 km/h Spitze mal glauben, verlasse den Sportmodus - was ein sofortiges Schalten in den Siebten zur Folge hat - und reise noch ein wenig mit 230 über die linke Spur.

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