Was
fehlt dem optisch gelungenen Mini-SUV aus dem Hause Mercedes-Benz? Ganz
klar, Power! Natürlich sind die BlueEfficiency-Varianten des GLK gut für den
Zeitgeist und die Klimawächter aus dem Brüsseler EU-Parlament, doch solange
diese sich in ihren schweren Limousinen chauffieren lassen fragen wir uns,
warum man uns derart maßregelt.
Zum Glück gibt es ja
Brabus. Vom KBA in Flensburg sogar als
Automobilhersteller gelistet, kümmert sich der Mercedes-Veredler aus Bottrop
um den kleinen Kantenhauber aus Stuttgart. Und wie: das Ergebnis nennt sich
kurz GLK 6.1 V8 Widestar. Schon jetzt ist klar, dass hier kein schmächtiger
Reihenvierzylinder mehr seinen Dienst tut und auch kein Sechszylinder mehr
Gemisch verbrennen darf.
Denn für Brabus ist nur er der einzig Wahre, der V8 mit großem Hubraum. Als
Basis dient der neue Vierventil-Achtzylinder aus der S-Klasse, dessen
Hubraum durch eine neue Kurbelwelle mit größerem Hub, sowie einer
vergrößerten Bohrung auf satte 6096 ccm gebracht wurde. Doch hier hört die
Arbeit der Ingenieure aus Bottrop nicht auf. Im klinisch reinen Motorenbau
in den Brabusallee finden auch hochverdichtende (11,0:1) Spezialkolben
Einzug in den neuen Treibsatz. Sie werden zusammen mit geänderten Köpfen und
modifizierten Nockenwellen für einen besseren Gaswechsel sorgen. Denn 6,1
Liter Hubraum wollen Atmen.
Natürlich musste von Brabus deshalb auch die Motorelektronik und die
Auspuffanlage angepasst werden. Das dankbare Ergebnis sind 462 PS
Spitzenleistung. Doch besonders die 615 Newtonmeter Drehmoment sind für
einen Sauger ein beachtlicher Wert. Den im Zyklus gemessenen Gesamtverbrauch
von 8,4 Litern/100km lassen wir an dieser Stelle unkommentiert.
Denn einmal in Fahrt relativiert sich bekanntlich so mancher Papierwert -
nicht jedoch im weißen Breitbau-GLK: Sind die Betriebsmittel erst einmal auf
Temperatur kennt der kleine SUV kein Halten mehr. Die Beschleunigung ist in
Zahlen ausgedrückt weit weniger spektakulär als die Show, die der Brabus in
der echten Welt bietet: 5,2 Sekunden braucht er vom Stillstand auf
Landstraßentempo und lässt die Passanten dabei hektisch nach den
Herztabletten in der Handtasche fuchteln.
Der 6.1er rotzt seine Power derart tieffrequent und böse aus den vier
Endrohren, dass es uns wundert, welcher TÜV-Prüfer hierfür seinen Stempel
hergab. Bei Bedarf schwingt sich der breite Bigblock bis auf 265 km/h
Spitze, doch das wahre Leben des GLK spielt weit darunter. Lässiges Cruisen
ist seine Stärke. Beim Zurücklehnen massiert der Auspuff-Bass des V8 sanft
das Gemüt, während die Sinneshärchen ungläubig die edle Lederausstattung
abtasten.
Brabus kleidet den kleinen SUV mit einer Mastik-Volllederausstattung aus,
deren Anfassqualität mit Worten kaum zu beschreiben ist. Weich,
anschmiegsam, offenporig und ohne künstliche Prägung oder gar Lackierung.
Dass man andernorts zum Preis der Brabus-Innenausstattung gut ausgestattete
Kleinwagen bekommt, spielt da eine untergeordnete Rolle.
Überhaupt, der Preis: 198.200 Euro kostet das weiße Breitbau-Exemplar. Viel
Geld für einen kleinen SUV, aber wenig für den Einstieg in die
Brabus-Komplettfahrzeug-Welt. Dass es trotz Krise und Klimadebatte immer
noch viele Kunden gibt, die diese – und deutlich höhere – Summen für ein
Automobil ausgeben zeigt die Werkstattauslastung in Bottrop. Die Hallen sind
voll, die Männer haben alle Hände voll zu tun. Und wir reden hier nicht von
Ölwechseln und neuen Bremsklötzen, sondern von V12-Umbauten für G-Klassen
und Business-Ausstattungen für die großen Viano’s.
Der GLK 6.1 V8 Widestar darf sich also seiner guten Verkaufszahlen sicher
sein. Zwar wird dies nicht unbedingt in unseren Breitengraden der Fall sein,
denn hierfür trägt nicht nur die Farbe, sondern vor allem der mächtige
Breitbau-Kit und die mächtigen 22-Zoll-Streitwagenräder etwas zu dick auf,
doch wird’s den russischen Patriarch nicht stören.
Unser Tipp: sparen sie sich den Widestar-Kit und lassen sie ihren GLK V8
schwarz lackieren. Erstens gehört ein Brabus in dieser Farbe lackiert und
zweitens fährt der serienschmale Brabus-GLK dann statt 265km/h sogar 275km/h
Spitze und beschleunigt einen Wimpernschlag schneller.
Drittens fällt man so nicht unbedingt auf den ersten Blick auf, denn dafür
gibt es schließlich die Auspuffanlage und die muss man genauso einbauen
lassen wie in unserem Testexemplar. Besser kann eine
Verbrennungskraftmaschine nicht klingen. Punkt.
Schön, dass es sowas in Zeiten von 120g/km-Diskussion und sonstigen
Hybrid-Absurditäten noch geben darf. Doch auch in Bottrop ist der Feind
nicht weit: schon im eigenen Showroom steht bereits das erste Elektro-Auto
der Firmengeschichte. Der überarbeitete Tesla „Öko“-Roadster verdankt sein
zartes Computer-Stimmchen aber nicht seinem Elektromotor, sondern einem
elektronischen HiFi-Soundgenerator. Und nun raten Sie mal welchen Sound die
Boxen abspielen?
Richtig, den mächtigen V8-Beat des 6.1ers. Und da wären wir wieder, denn bei
diesem Geräusch denkt niemand an Normverbräuche oder Aufpreislisten.
Garantiert.
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