Driven: BMW 335i Limousine



Hamburg, 09.09.2008: Nachdem Jan den stärksten Audi A4 (3,2 V6) auf Sardinien Testen durfte, kann ich nun dem Konkurrenten aus dem BMW-Lager auf den Zahn fühlen. Bei der Präsentation der gelifteten BMW 3er-Limo am Tegernsee hab ich mir den 335i geschnappt und mal ordentlich die Reifen qualmen lassen

Nach der Landung in München geht es per Shuttle erstmal zum BMW-Testcenter nach Garching, wo ohne großes Quatschen die Testwagen (330d und 335i) auf uns warten. Wie für einen echten EVOCARS-Crack zu erwarten, greif ich zum 335i (41.850 Euro Grundpreis) mit Automatik und Schaltwippen. Noch kurz das Gepäck im Kofferraum (450 Liter) verstaut und los geht´s.

Die Route führt über herrliche Landstrassen zum Tegernsee. Beste Bedingungen also um es mit dem Bayer auf den Landstrassen mal richtig krachen zu lassen. Schon auf dem ersten Autobahn-Abschnitt präsentiert sich der Motor als drehfreudig und durchzugstark, bis Tempo 250 (Elektronisch Abgeriegelt) geht es ohne Probleme nach vorne, und auch bei so hohen Tempo kann man sich noch problemlos unterhalten.

Einige Autobahn-Abfahrten später sind wir endlich auf der Landstrasse, nun kann der Spaß beginnen. Und das sieht dann so aus: Die Gänge vier, fünf und sechs existieren nicht mehr und das Wort sparsam wird aus dem Wortschatz gelöscht. Der Finger wandert auf die DTC-Taste, verharrt dort fünf Sekunden lang und legt damit das ESP lahm. Das Einzige, was jetzt noch zählt sind Drehzahl und Driftwinkel, und am Ende des Tages ist eins klar: Ein Navigationssystem brauche ich nicht. Dank meiner schwarzen Spuren finde ich auch so immer wieder nach Hause – nennt mich einfach Hänsel.

Gerade auf der Landstrasse macht der 335i mit seinem Bi-Turbo-Motor (den wir auch schon im 135i Coupé genießen duften) einfach unglaublich viel Spaß. Ab 2800 U/min geht die Post richtig ab und die Hinterräder haben bei abgeschaltetem DSC Mühe, die Power auch auf die Strasse zu bekommen. Dank zweier in Reihe geschalteter Turbolader, gibt es beim Beschleunigen absolut kein Turboloch mehr. Das ist die Zukunft. Bravo BMW.

Kritik gibt es nur für die Automatik. Sie ist einfach in manchen Situationen deutlich zu träge, und braucht zum Gangwechsel viel zu lange. So merkt man dem Auto die 306 PS nicht an und schätzt die Leistung deutlich weniger ein. Darum stelle ich mir auch die Frage wieso zur Hölle BMW das DKG nur im M3, im 335i Coupe und Cabrio anbietet. Hey auch die pummelige Limousine verdient die deutlich bessere und schnellere Automatik.

Kommen wir aber nun aber wieder zum positiven. Dank der Vielseitigkeit ist auch ein gemütliches Cruisen ist mit dem 335i möglich. Darüber freut sich auch der Geldbeutel und so kommt der neue 3er bei einer „normalen“ Fahrweise auf einen Verbrauch von ca. 10 Liter auf 100km. Das ist für so viel Leistung absolut okay.

Auch das Fahrwerk ist eine Freude, selbst bei zu schnell angefahrenen Kurven hat man nicht das Gefühl das einem das Auto gleich quer kommt (es sei denn man möchte es so). Der 3er lässt sich wunderbar sportlich ums Eck zirkeln. Auch die Bremsen sind ausreichend. Nach knapp 300 Kilometern, einem Leeren Tank und ein paar Millimeter Gummi weniger erreichen wir das Ziel: den Tegernsee. Pünktlich um 18 Uhr werden die Testwagen im Hotel von der BMW-Crew wieder in Empfang genommen. Zeit also um uns das Facelift mal genauer zu betrachten.

Von Außen erkennt man auf dem ersten Blick die Unterschiede zum „alten“ Modell. Die größte Veränderung erfährt die Motorhaube. Die so genannten „Charakterlinien“ gehen ab sofort in V-Linie zum BMW-Logo, außerdem gab’s ein paar neue Scheinwerfer mit „Augenbraue“. Ab sofort gibt es zusätzlich in Verbindung mit den Bi-Xenon-Leuchten die aus 5er und 7ner bekannten Corona-Tagfahlicht-Ringe. Mehr muss auch nicht sein.

Die oft kritisierten Rückleuchten im Japan-Design mussten schicken, einfarbig roten Varianten in L-Form weichen. Wie schon in der Front, zeigen auch hinten LEDs nun die Fahrtrichtung an. Eine schicke Idee sind auch die Leuchtstreifen bei eingeschaltetem Abblendlicht. Punktabzug gibt es beim Bremslicht, dass trotz aller Innovationen immer noch auf Glühlampen vertraut.

Weiter geht’s im Innenraum. BMW hat die Gebete vieler Kunden und Mietwagenfahrer erhört und das I-Drive völlig erneuert. Endlich! Jetzt ist Schluss mit der komplizierten Bedienung. Über die Schnelltasten gelangt man jetzt ganz einfach ins gewünschte Menü. Das spart Zeit und schont die Nerven. Und wenn man mal wieder im Stau stehen sollte kann man - Flatrate sei dank - nun auch mit dem Auto per EDGE im Netz surfen, oder seine E-Mails abrufen. Zwar dauert der Aufbau immer noch sehr lange aber für den Anfang ist es schon recht gut.

Sonst hat sich im Cockpit nicht viel getan. Bei Bestellung des Navigationssystems Professional bekommt der Kunde ein größeres 8,8-Zoll-Display mit extrem hoher Bildauflösung, sowie eine Festplatte mit 80 GB. Die Fensterheber wurden etwas nach vorne versetzt und hier und da gibt es neue Farben und Materialien.

Am nächsten Tag heißt es dann Abschied nehmen vom neuen 3er. Vorher steht aber noch die Rückfahrt mit dem handgeschalteten 335i an. Ohne Roadbook (den Spuren vom Vortag sei Dank) ging es wieder über die Landstrassen zurück nach München.

Handgeschaltet ist der 335i noch einen Zacken sportlicher, macht dadurch um einiges mehr Spaß. Spätestens jetzt merkt man die 306 PS. BMW gibt die Sprintzeit beim Handschalter mit 5,6 Sekunden an (Automatik: 5,8). In der Realität fühlen sich die 0,2 Sekunden aber wie eine ganze Zeiteinheit an.

Fazit:
BMW hat mit dem 335i einen perfekten Mix aus Sportlichkeit, Eleganz und Fahrspaß geschaffen dessen Motor 2007 völlig zu Recht den Motoren-Oskar „Engine of the Year“ erhalten hat. Und den nur 265 PS starken Audi A4 3.2 V6 lässt er sowieso locker hinter sich.

Doch nicht nur der Motor verdient ein Lob. Der neue 3er ist nach dem Facelift erwachsener und durchtrainierter geworden. Die angehübschte Optik und der aufgefrischte Innenraum sowie viele neue technische Spielerrein passen zum Auftreten des neuen 3ers. So ausgestattet kann er sich den Kampf gegen die Konkurrenz aus Ingolstadt und Stuttgart locker stellen.

Text: Tim
Pics: Tim/BMW

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