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Hamburg,
03.08.2009:
Endlich wieder ein
schöner BMW. Lange haben sich die Fans gedulden müssen, bis endlich mal
wieder eine automobile Skulptur die Münchner Werkshallen verließ. Keine
Hängebauch-Seitenlinie, kein Rucksack-Kofferraum oder sonstige Fehltritte,
stattdessen perfekte Coupé-Eleganz. Sportlich im Gesichtsausdruck, dazu fein
austrainierte Radläufe und ein knackiges Heck mit selbstbewusstem
Auspuff-Doppelrohr. Gesellen sich noch die optionalen Fünfspeichen
19-Zoll-Alufelgen an den Zweitürer ist der Auftritt perfekt.
Und auch innen geht es
angenehm weiter: Die elektrischen Sportsitze sind in ihrer Einstellvielfalt
unübertroffen und betten jede Fahrerkontur kommod und mit definiertem
Seitenhalt. Das Armaturenbrett ist übersichtlich gezeichnet und sogar ein
Ölthermometer findet sich im Instrumentenarrangement. Die Bedienung der
aktuellen iDrive-Generation geht endlich so leicht von der Hand, wie es sich
BMW schon immer gewünscht hat und auch die Handhabung und Routenführung des
Navigationssystems kann als Referenz in Sachen Infotainment gelten.
Dass
die Gurte elektrisch gebracht werden und das aufpreispflichtige Soundsystem
auch eine mittelgroße Diskothek ausreichend beschallen könnte zeugt indes
davon, dass BMW das 3er Coupé nicht nur für den arrivierten Sportfahrer
anbietet, sondern vielmehr den Genuss beim Fahren in den Vordergrund stellt.
Wer den futuristisch gestalteten Getriebe-Joystick in Position D belässt und
das Gaspedal eher defensiv benutzt, der wird diesen Genuss auch erleben:
Fahrkultur höchster Güte. Ein zurückhaltend grummelnder Sechszylinder, eine
vorausschauende Gangauswahl des Getriebes und eine zwar trockene aber
dennoch verbindliche Federung demonstrieren die hohe Kunst des
Automobilbaus.
Doch wehe das
Fahrpedal meldet Vollgasstellung an die Motorelektronik – denn dann ist
Achterbahn. Das elegante Coupé lässt seine Maske fallen. In einem
Wimpernschlag schaltet das Doppelkupplungsgetriebe eine handvoll Gänge
zurück und heiser rotzt der Dreiliter seine Vorfreude in die Auspuffrohre.
Ist die passende Fahrstufe kraftschlüssig eingelegt faucht der Reihensechser
die Drehzahlskala entlang, dass es einem die Tränen in die Augen treibt.
Seine beiden kleinen Turbolader lassen ihn schon ab 1300 Umdrehungen
mächtige 400 Newtonmeter auf die Kurbelwelle stemmen und machen ihm so
bereits im Drehzahlkeller ordentlich Beine, doch der wahre Schatz verbirgt sich am
Ende des Drehzahlmessers.
Auf
dem Weg dorthin tauscht der 306-PS-Motor seine akustische Zurückhaltung
gegen
ergreifendes Sportwagen-Hämmern ein und es ist wirklich ein Erlebnis, wie
die Maschine mit jedem weiteren Drehzahl-Tausender an Zugkraft gewinnt.
Keine Spur von abflachender Drehmomentkurve oder abnehmender Drehwilligkeit.
Der Sechszylinder scheint keine Grenze zu kennen und doch kommt mit dem
Schaltvorgang knapp über 7000 Umdrehungen die Erstaunlichste
(Drehzahlgrenze), die wir bis
jetzt in einem BMW erfahren konnten: Im Sport-Setup des
Doppelkupplungs-Getriebes schert sich das Coupé keinen Deut um großen
Komfort, sondern konzentriert sich voll und ganz auf die Suche nach dem letzten Beschleunigungszehntel.
Und so
sorgt der zugkraftunterbrechungsfreie und akustisch eindrucksvoll „pang“ende-Schaltvorgang an der Drehzahlgrenze für ein
breites Lächeln im Gesicht des
Fahrers.
Sofort ist der Gang
da, die Turbolader verlieren keine Drehzahl und die Beschleunigung geht
unvermindert weiter. Dank des eng gestuften Siebenganggetriebes sind die
Drehzahlsprünge beim Hochschalten angenehmen gering, weshalb die Zugkraft
nicht übermäßig geschwächt wird. In deutlicheren Worten: hier brennt der
Helm lichterloh und zwar bis du vom Gas gehst, oder dich die Elektronik bei
265-Tacho-km/h vor die Wand fahren lässt.
Dabei
ist es nicht einmal die sagenhafte Autobahn-Performance, die das 335i Coupé
bietet. Vielmehr ist es die engagiert gefahrene Landstraßenpartie mit ihren
vielen Kurven Tempiwechseln. Hier ist der Zweitürer aus München
nicht zu stoppen. Der Dreiliter-Biturbo tanzt über das Drehzahlparkett und
die Schaltwippen dirigieren unterbrechungsfrei den Takt. Es bleibt keine
Zeit zum Luftholen, denn die großen 19-Zoll-Alufelgen verbeißen sich dank
der haftfreudigen Bridgestone Potenza RE50A in jeder Situation in die
Straße und lassen sich höchstens bei provoziertem Lasteinsatz zum
Übersteuern überreden. Die gute Traktion zeugt auch von der ausgewogenen
Balance des BMW’s und trotz optionalem M-Sportfahrwerk bleibt noch genug
Raum für Dinge wie Abrollkomfort und Schluckfreudigkeit.
Nur Lob also für die
Münchner? Nun ja, wir können uns nicht so recht entscheiden. Warum? Am
getesteten Coupé lag es mit Sicherheit nicht, denn die gezeigte Performance
liegt wirklich nah am Optimum der Möglichkeiten, vielmehr ist es die
Aussicht auf die Zukunft, denn das von uns gefahrene Modell ist praktisch
schon ein Ausläufer. Der famose Dreiliter-Biturbo wird eine ebenso kurze
Karriere feiern, wie das 7-Gang-DKG.
Warum?
Weil BMW einen neuen Turbobenziner entwickelt hat, dessen
Twinscroll-Einzellader genauso schnell anspricht wie die Biturbo-Lösung, dabei leichter ist und Materialkosten spart. Zudem wurde die Maschine mit
der Ventilhubsteuerung Valvetronic ausgerüstet und das Ergebnis ist
ein nochmals geringerer Kraftstoffverbrauch. Eine neue
Achtgang-Wandlerautomatik stellt dann das 7-Gang-DKG auf das Abstellgleis,
da es einfacher aufgebaut ist, den Wartungsaufwand reduziert und in seinen
aktuellen Fähigkeiten denen der Doppelkuppler kaum mehr nachsteht.
Und da sind wir wieder
am Anfang: Früher war nicht alles besser, aber zumindest das BMW 335i Coupé
DKG war (ist) „one step ahead“. Ob die Zukunft mit einem Turbo weniger und einem
Wandlerautomatik-Gang mehr wirklich besser wird bleibt abzuwarten. Wir
können es uns nur schwer vorstellen.
Technische Daten:
Modell: BMW 335i Coupé
DKG
Motor: 6 Zylinder Benzin,
2979cm³
Leistung: 225kW/306PS
Drehmoment:400Nm
Antrieb: Heck, 7-Gang DKG,
Verbrauch: 10.9l/100Km
Super Plus
0-100km/h: 5.4sec
Vmax: 250km/h abgeregelt
Preis: ab 45.850 EUR
Text: Fabian
Pics: Tim |