Driven: BMW 335i Coupé mit DKG



Hamburg

Hamburg, 03.08.2009: Endlich wieder ein schöner BMW. Lange haben sich die Fans gedulden müssen, bis endlich mal wieder eine automobile Skulptur die Münchner Werkshallen verließ. Keine Hängebauch-Seitenlinie, kein Rucksack-Kofferraum oder sonstige Fehltritte, stattdessen perfekte Coupé-Eleganz. Sportlich im Gesichtsausdruck, dazu fein austrainierte Radläufe und ein knackiges Heck mit selbstbewusstem Auspuff-Doppelrohr. Gesellen sich noch die optionalen Fünfspeichen 19-Zoll-Alufelgen an den Zweitürer ist der Auftritt perfekt.


Und auch innen geht es angenehm weiter: Die elektrischen Sportsitze sind in ihrer Einstellvielfalt unübertroffen und betten jede Fahrerkontur kommod und mit definiertem Seitenhalt. Das Armaturenbrett ist übersichtlich gezeichnet und sogar ein Ölthermometer findet sich im Instrumentenarrangement. Die Bedienung der aktuellen iDrive-Generation geht endlich so leicht von der Hand, wie es sich BMW schon immer gewünscht hat und auch die Handhabung und Routenführung des Navigationssystems kann als Referenz in Sachen Infotainment gelten.


Dass die Gurte elektrisch gebracht werden und das aufpreispflichtige Soundsystem auch eine mittelgroße Diskothek ausreichend beschallen könnte zeugt indes davon, dass BMW das 3er Coupé nicht nur für den arrivierten Sportfahrer anbietet, sondern vielmehr den Genuss beim Fahren in den Vordergrund stellt. Wer den futuristisch gestalteten Getriebe-Joystick in Position D belässt und das Gaspedal eher defensiv benutzt, der wird diesen Genuss auch erleben: Fahrkultur höchster Güte. Ein zurückhaltend grummelnder Sechszylinder, eine vorausschauende Gangauswahl des Getriebes und eine zwar trockene aber dennoch verbindliche Federung demonstrieren die hohe Kunst des Automobilbaus.


Doch wehe das Fahrpedal meldet Vollgasstellung an die Motorelektronik – denn dann ist Achterbahn. Das elegante Coupé lässt seine Maske fallen. In einem Wimpernschlag schaltet das Doppelkupplungsgetriebe eine handvoll Gänge zurück und heiser rotzt der Dreiliter seine Vorfreude in die Auspuffrohre. Ist die passende Fahrstufe kraftschlüssig eingelegt faucht der Reihensechser die Drehzahlskala entlang, dass es einem die Tränen in die Augen treibt. Seine beiden kleinen Turbolader lassen ihn schon ab 1300 Umdrehungen mächtige 400 Newtonmeter auf die Kurbelwelle stemmen und machen ihm so bereits im Drehzahlkeller ordentlich Beine, doch der wahre Schatz verbirgt sich am Ende des Drehzahlmessers.


Auf dem Weg dorthin tauscht der 306-PS-Motor seine akustische Zurückhaltung gegen ergreifendes Sportwagen-Hämmern ein und es ist wirklich ein Erlebnis, wie die Maschine mit jedem weiteren Drehzahl-Tausender an Zugkraft gewinnt. Keine Spur von abflachender Drehmomentkurve oder abnehmender Drehwilligkeit. Der Sechszylinder scheint keine Grenze zu kennen und doch kommt mit dem Schaltvorgang knapp über 7000 Umdrehungen die Erstaunlichste (Drehzahlgrenze), die wir bis jetzt in einem BMW erfahren konnten: Im Sport-Setup des Doppelkupplungs-Getriebes schert sich das Coupé keinen Deut um großen Komfort, sondern konzentriert sich voll und ganz auf die Suche nach dem letzten Beschleunigungszehntel. Und so sorgt der zugkraftunterbrechungsfreie und akustisch eindrucksvoll „pang“ende-Schaltvorgang an der Drehzahlgrenze für ein breites Lächeln im Gesicht des Fahrers.


Sofort ist der Gang da, die Turbolader verlieren keine Drehzahl und die Beschleunigung geht unvermindert weiter. Dank des eng gestuften Siebenganggetriebes sind die Drehzahlsprünge beim Hochschalten angenehmen gering, weshalb die Zugkraft nicht übermäßig geschwächt wird. In deutlicheren Worten: hier brennt der Helm lichterloh und zwar bis du vom Gas gehst, oder dich die Elektronik bei 265-Tacho-km/h vor die Wand fahren lässt.


Dabei ist es nicht einmal die sagenhafte Autobahn-Performance, die das 335i Coupé bietet. Vielmehr ist es die engagiert gefahrene Landstraßenpartie mit ihren vielen Kurven Tempiwechseln. Hier ist der Zweitürer aus München nicht zu stoppen. Der Dreiliter-Biturbo tanzt über das Drehzahlparkett und die Schaltwippen dirigieren unterbrechungsfrei den Takt. Es bleibt keine Zeit zum Luftholen, denn die großen 19-Zoll-Alufelgen verbeißen sich dank der haftfreudigen Bridgestone Potenza RE50A in jeder Situation in die Straße und lassen sich höchstens bei provoziertem Lasteinsatz zum Übersteuern überreden. Die gute Traktion zeugt auch von der ausgewogenen Balance des BMW’s und trotz optionalem M-Sportfahrwerk bleibt noch genug Raum für Dinge wie Abrollkomfort und Schluckfreudigkeit.


Nur Lob also für die Münchner? Nun ja, wir können uns nicht so recht entscheiden. Warum? Am getesteten Coupé lag es mit Sicherheit nicht, denn die gezeigte Performance liegt wirklich nah am Optimum der Möglichkeiten, vielmehr ist es die Aussicht auf die Zukunft, denn das von uns gefahrene Modell ist praktisch schon ein Ausläufer. Der famose Dreiliter-Biturbo wird eine ebenso kurze Karriere feiern, wie das 7-Gang-DKG.


Warum? Weil BMW einen neuen Turbobenziner entwickelt hat, dessen Twinscroll-Einzellader genauso schnell anspricht wie die Biturbo-Lösung, dabei leichter ist und Materialkosten spart. Zudem wurde die Maschine mit der Ventilhubsteuerung Valvetronic ausgerüstet und das Ergebnis ist ein nochmals geringerer Kraftstoffverbrauch. Eine neue Achtgang-Wandlerautomatik stellt dann das 7-Gang-DKG auf das Abstellgleis, da es einfacher aufgebaut ist, den Wartungsaufwand reduziert und in seinen aktuellen Fähigkeiten denen der Doppelkuppler kaum mehr nachsteht.


Und da sind wir wieder am Anfang: Früher war nicht alles besser, aber zumindest das BMW 335i Coupé DKG war (ist) „one step ahead“. Ob die Zukunft mit einem Turbo weniger und einem Wandlerautomatik-Gang mehr wirklich besser wird bleibt abzuwarten. Wir können es uns nur schwer vorstellen.

 

Technische Daten:

Modell: BMW 335i Coupé DKG
Motor: 6 Zylinder Benzin, 2979cm³
Leistung: 225kW/306PS
Drehmoment:400Nm
Antrieb: Heck, 7-Gang DKG,
Verbrauch: 10.9l/100Km Super Plus
0-100km/h: 5.4sec
Vmax: 250km/h abgeregelt
Preis: ab 45.850 EUR

 

Text: Fabian

Pics: Tim


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