Driven: Alfa Brera 3.2 V6 24V Q4



Hamburg, 24.06.2007:

Wieviel Alfa steckt im Brera?

Allein der Name klingt schon verdammt gut. Brera, Brera – hört sich nach einem gewaltigen Dampfhammer mit angsteinflößender Optik an. Geben wir den schicken Namen allerdings in eine schlaue Internetsuchmaschine ein, werden wir eines Besseren belehrt: Der Alfa wurde nach der Pinacoteca di Brera in Mailand benannt, einem Museum für antike und moderne Kunst. Derart erhellt schlendern wir um den Wagen. Flach und breit sind die ersten Attribute, die der Schönling allein durchs Rumstehen artikuliert. Beim Gesichts-Check kommt dann die moderne Seite voll zur Geltung: Freiliegende, einzeln platzierte Scheinwerfer werden von schmalen Sehschlitzen umrahmt. In der Mitte prangt stolz das Scudetto. Alfa ist selbstbewusster geworden, trägt daher das Markenemblem im Großformat. Was die aggressiv-kantige Front ankündigt, findet am fett-muskulösen Heck mit seinen vier dicken Endrohren einen passenden Abschluss. So ein Hintern sucht man bei der deutschen Konkurrenz aus Dreier Coupé, TT und CLK vergeblich.

Neuer Tag, neues Glück.
Beim Blick auf die in Reih und Glied parkenden Wagen am Straßenrand fällt eines auf: Soviel Präsenz zeigt keiner der Artgenossen, und das resultiert nicht nur in optischer Abwechslung im Straßenbild, sondern bringt einen großen Vorteil: Diesen Italiener findet man relativ einfach wieder – Verwechslung gänzlich ausgeschlossen. Wir lassen die wartende Zentralverriegelung ihre Arbeit tun. Mit einem grellen Doppel-Piepen entriegelt der Schließmechanismus, gleichzeitig schwenken die zum Parken angelegten Außenspiegel in ihre vorbestimmte Position. Tür geöffnet und ins Innere geluschert: Lederausstattung, Sportlenkrad, Alu-Imitat und die aus dem 159er bekannten Zusatzinstrumente in der Mittelkonsole. Der erste Anschein macht klar: Der Brera ist zwar unverkennbar der Bruder von Limousine und Kombi, kann sich aber dennoch ein gutes Stück abheben. Mit Kunst im Namen und 260 PS unter der Haube soll schließlich ein Ruf verteidigt werden. Ob das, was vor vielen Jahrzehnten auf der Rennstrecke geprägt wurde, allerdings auch auf heutige Alfa zutrifft müssen ein paar Testrunden zeigen. Stadt, Land, Autobahn – wir nehmen alles mit.

Das Anlassen des Motors via Startknopf ist eine nettes Gimmick, aber nichts Besonderes mehr. Besonders allerdings sind die ersten Töne, die der 3,2-Liter-Motor im unteren Drehzahlbereich und kaltem Zustand von sich gibt: ein sonores Brummeln erklingt, und irgendwie weiß man sofort, was bei erreichter Solltemperatur des Motoröls noch nachkommen wird. Schön langsam das Wohngebiet verlassen, sich an das Ansprechverhalten von Gas und Bremse gewöhnen, lautet die erste Mission. In Sachen Kraftentfaltung offenbart sich gleich auf den ersten Metern die Kraft des zusammen mit GM entwickelten V6. Der Brera hängt gut am Gas und macht höllisch Spaß. Letzteres darf unter Anderem der ausgefallenen Optik des Italieners zugeschrieben werden. Die neidischen Blicke der Mainstream-Fahrer entgehen uns nicht und lassen die Piloten-Brust anschwellen. Doch die erwähnten Brot-und-Butter-Auto-Käufer dürfen sich jetzt mal beruhigt zurücklehnen. Unser Testwagen kommt auf einen Individualisten-Preis von 42.200 Euro (inklusive Sky-View-Glasdach). Außerdem wird an der Tankstelle in regelmäßigen Abständen ein kleines Vermögen fällig. Immer vorausgesetzt, man zeigt der Schlange wo es lang geht. Aber was anderes kommt bei uns eh nicht in Frage. Also …

Der Alfa Brera ist im Zweifel über selbigen erhaben. Ob zügiges Überholmanöver auf der Landstraße, oder Dauerfeuer-Etappe auf der linken Spur, der Grand Tourismo hat Tiefen-Power mit der gewissen Würze für sportliche Einlagen. Dank der 322 Newtonmeter lässt es sich herrlich im sechsten Gang über die Bahn cruisen, wer zwei Gänge runterschaltet, brauch bis 180 vor wenig Gegnern Angst zu haben. Allein auf den Bs der Republik haben die 1700 kg Leergewicht ein starkes Wörtchen mitreden. Gerade in engen Kurven lehnt sich der Dreitürer ordentlich nach außen. Geht’s anschließend aber Richtung Kurvenausgang auf die lange Gerade, spielt der Allradantrieb (Q4) alle Trümpfe aus. Die vier 225er beißen sich förmlich in den Asphalt, ziehen allesamt beeindruckend in eine Richtung: Vorwärts! Vierradantrieb war leider noch nie ein günstiges Vergnügen und erklärt möglicherweise die knapp 15 Liter Durchschnittsverbrauch unseres Testkandidaten. Glücklicherweise verfügt der Rote über ein großzügiges Tankvolumen: 70 Liter lassen sich problemlos und zollfrei mitführen. Wäre noch ein Wörtchen über die Akustik zu verlieren; ein nicht zu unterschätzendes Argument. Autos dieser Klasse und Rasse müssen in punkto Klangleistung einfach den gewissen Kick bieten. So darf man auch im Alfa getrost den Lautstärkeregler des Radios auf ein Minimum drehen. Die Maschine liefert Musik auf Pedalkommando. Das hebt die Laune unglaublich. Die ständige Spielerei mit den Höhen und Tiefen (vor allem im Stand, an Kreuzungen oder Ampelanlagen) steigert allerdings den Durst des Aggregats um einen weiteren Exponenten. Egal, was kostet schon die Welt.

Fazit der Testtage mit dem seltenen Alfa Brera:

Der Rote macht Laune, bringt Spaß und vermittelt höllisch viel Kraft (was man von 260 PS natürlich irgendwo auch erwartet). Das Design ist ein Klasse für sich. Vorne eine Augenweide und aggressiv, hinten einfach nur fett und daher eine Frage des persönlichen Geschmacks. Dass der Schönling im Fond nur über Notsitze verfügt, sei ihm gerne verziehen. Autos, die hier mehr Platz bieten, sucht man gefälligst in anderen Klassen. Hat man keine Problem mit dem Rauchen aufzuhören, statt Bier Leitungswasser zu trinken und auch den Jahresurlaub sausen zu lassen, ist der Alfa Brera 3.2 JTS V6 24V Q4 Skyview sollte man das gesparte Geld ruhig in den feurigen Italiener stecken. Es lohnt sich.
(AiG)

 

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